Zu Beginn: verraten Sie uns bitte Ihr Geburtsjahr!
1974
Welche Position bekleiden Sie im Vorstand des vblb und seit wann sind Sie in dieser Funktion tätig?
Ich bin 2022 als Beisitzer gewählt worden, also war ich als Gründungsmitglied von Anfang an dabei.
Was hat Sie bewogen sich im vblb zu engagieren?
Die Interessen der Leitstellen müssen gebündelt werden, um mit möglichst einheitlicher Stimme mit den staatlichen Institutionen, den kommunalen Spitzenverbänden und den Kostenträgern zu agieren. Die Bündelung von Wissen und Kompetenzen sind die Stärke des Verbands auf Landesebene.
Welche berufliche Laufbahn haben Sie eingeschlagen?
Nach dem Abschluss zum Dipl. Ing für Bauingenieurwesen/Fachrichtung Siedlungswasserwirtschaft an der Universität Kassel, begann ich im Jahr 2000 meine Laufbahnausbildung für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berufsfeuerwehr Nürnberg. Im Rettungsdienst war ich nach meinem Zivildienst schon seit einigen Jahren zuvor tätig. Zunächst war ich als Zugführer und im weiteren Verlauf als Inspektionsdienst und Direktionsdienst im Feuerwehreinsatzdienst tätig. Auch die spätere Lagedienstfunktion prägte den Weg im Einsatzdienst. Im Jahr 2013 konnte ich mit der Laufbahnprüfung am IdF in Münster das Aufstiegsverfahren für den höheren feuerwehrtechnischen Dienst abschließen. Mein beruflicher Weg bei der Feuerwehr spielte sich schon immer im Bereich des Leitstellenwesens und der IT ab. 2007 übernahmen wir den Betrieb der damaligen Rettungsleitstelle und führten die Einsatzsteuerung für die Feuerwehr im Jahr 2010 in der heutigen Integrierten Leitstelle Nürnberg zusammen.
Was ist Ihre aktuelle Position und in welcher Dienststelle sind Sie anzutreffen?
Ich leite die Abteilung „Integrierte Leitstelle“ bei der Berufsfeuerwehr Nürnberg, wir sind für die Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen sowie die Landkreise Nürnberger Land, Fürth und Erlangen-Höchstadt mit 1,2 Mio Einwohnern zuständig.
Was sehen Sie als die größten Herausforderungen für Leitstellen in Bayern in den kommenden Jahren?
Die Leitstellen sind das zentrale Steuerungselement der kommunalen Gefahrenabwehr. Zudem kommen im Bereich der Steuerung der Patientinnen und Patienten weitere Herausforderungen auf die Leitstellen zu. Die sektorenübergreifende Patientensteuerung und damit die Vernetzung der ambulanten mit der Notfallversorgung ist ein Schlüssel für die Lösung der weiterhin steigenden Einsatzzahlen in der Versorgung der Bevölkerung. Die Leitstellen werden mehrere Angebote als Reaktion auf diese Anforderungen haben und einsetzen können. Dazu ist die Einführung einer standardisierten Notrufabfrage, die mit der 116117 synchronisiert werden muss, wichtig. Die Digitalisierung der gesamten versorgungskette ist dabei essentiell. Neben der Hauptaufgabe im Rettungsdienst dürfen die Herausforderungen im Bereich der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes bis hin zu einer neuen Rolle im Zivilschutz nicht außer Acht bleiben. Allein der fortschreitende Klimawandel mit zunehmenden Extremwetterereignissen werden die Leitstellen weiter herausfordern. Um bei vielen Gefahrenlagen „vor die Lage“ zu kommen, ist die Erstellung eines permanenten 360° Lagebildes von größter Bedeutung. Das Ganze geschieht unter dem fortschreitenden Fachkräftemangel, der auch die Leitstellen betrifft.
Welches Projekt oder welche Initiative des vblb liegt Ihnen besonders am Herzen und warum?
Die technologische und taktische Weiterentwicklung des Einsatzleitsystems und der zugehörigen Subsysteme sowie die Motivierung von Menschen, die in den Leitstellen arbeiten und wirken wollen, ist eine der wichtigsten Initiativen des VBLB. Dazu gehört auch die Etablierung einer Berufsausbildung für Leitstellen, die aktuell in Deutschland einmalig ist.
Wie stellen Sie sich die Zukunft der Leitstellenarbeit in Bayern vor und wie sehen Sie die Rolle der Digitalisierung?
Digitalisierung muss Standardprozesse automatisieren und die Leitstellendisponentinnen und Leitstellendisponenten entlasten sowie bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Die Einbindung von Subsystemen und Fachanwendungen über Schnittstellen wird die Arbeit in den Leitstellen erleichtern.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der sich für eine Ausbildung in einer Integrierten Leitstelle interessiert?
Leitstellenarbeit ist eine der interessantesten Tätigkeit im Bereich der Feuerwehr und des Rettungsdienstes. Man ist quasi die Spinne im Netz und ist immer beteiligt. Es ist eine komplexe und oftmals auch herausfordernde Tätigkeit. Ohne Leitstelle läuft nichts bei der Notfallversorgung der Menschen. Wir sind oftmals die Lebensretter am Telefon! Ich empfehle unbedingt ein Praktikum in der Leitstelle zu absolvieren, um einen Einblick zu bekommen.
